Fasane, Fasane...

Voller Vorfreude sah ich einer Jagdeinladung von meinem Bläserfreund Dieter entgegen.
Ich kannte sein Revier als eines der besten Fasanenreviere bereits durch vergangene Jagden und wußte,
daß meinen Hund dort einige Arbeit erwartete. Gerade bei der ersten Fasanenjagd im Jahr steht noch viel Deckung und so
geht es nicht alleine um das Suchen, Finden und Vorstehen, sondern vielmehr um das sichere Verlorenbringen
des geschossenen Wildes. Entlang der Lippe und der zahlreichen Baggerseen erstrecken sich hohe Schilfdickichte.
Angrenzende hüfthohe Senf- und Futterrrapsschläge wechseln mit Feldgehölzen samt Brombeersaum.

Mit Hörnerklang und Begrüßungsrede wurden die 14 Jäger, davon 10 Hundeführer, auf den Tag eingestimmt.
Freigegeben waren Fasanenhähne. Hasen sollten geschont werden, Raubwild war selbstverständlich frei.
Die Jagd bestand den ganzen Tag aus Vorstehtreiben, wobei 4-6 Schützen vorstellten und die Hundeführer
je nach Geländegegebenheit in breiter Front oder böhmischer Streife sich den Schützen näherten.

Das erste Treiben wurde gesplittet, d.h. 2x 5 Schützen suchten jeweils einen Bruchgraben ab, der am Ende abgestellt war.
Gerade bei diesem ersten Treiben waren die Hunde voller Passion und ließen sich nur schwer auf Schrotschußentfernung  halten.
Bedingt durch die räumliche Enge entlang dem Graben, zeigten die Hunde überwiegend Stöberarbeit und nur die
Vorstehschützen freuten sich über guten Anflug. Die Fasanenhähne standen meistens außerhalb Flintenreichweite vor uns Hundeführern auf.

Plötzlich sah ich, wie meine Setterhündin "Lohmann's Carlotta" weit vor mir deutlich bremste, anzog und fest vorstand.
Die anderen vier Hundeführer auf meiner Seite konnten mit Triller und Ruf ihre Vierbeiner halten und am einspringen hindern.
Ein Hund ließ sich leider nicht halten, trotzdem sein Führer die Beine in die Hand nahm und mit Körpereinsatz versuchte,
ihn am einspringen zu hindern. Knapp 10 m vor Carlotta zog der ungehorsame Hund in den Bruch und schmiß zwei Fasane,
die den hocherfreuten Vorstehschützen sauber kamen und beschossen wurden.
"Schade", sagte einer meiner Mitjäger, "das wäre doch mal ein Hahn für uns gewesen."
Ich sagte nur "Bleib ruhig".
Der ungehorsame Hund hatte die Verfolgung der zwei abstreichenden Hähne aufgenommen,
während meine junge Setterhündin durchstand. "Da ist noch einer" sagte ich.
Zu zweit gingen wir den Hund an, auf mein Kommando zog sie spannungsvoll nach und...machte eine Henne hoch.
Es wurde gehänselt und gelacht, bei diesem Fasanenreichtum kein Problem. Lediglich der Besitzer des ungehorsamen
Hundes schaute unglücklich und nahm seinen Hund an die Leine.

Bei den Vorstehschützen angelangt, erfuhren wir, daß die letzten zwei hochgemachten Hähne zwar beschossen,
aber lediglich einer sofort zur Strecke kam. Der zweite Hahn wurde geflügelt und strich hinter den Vorstehschützen
weit ab ins Hinterland bis in ein Senfstück. Somit wurde dieses Senfstück sofort in breiter Front mit allen Hunden durchgesucht.
Mir wurde der linke Flügel zugewiesen, rechts sieben weitere Hundeführer, der Rest außen vor.
Die Hunde wurden geschnallt und ab und zu sah man im brusthohen Senf einmal einen Kopf oder fliegende Behänge.
3 - 4 Hähne wurden um  mich herum hochgemacht und strichen unbeschossen seitlich weg.
Plötzlich kam von rechts der Ruf "Hahn nach links". Den turmhohen Hahn sahen wir anstreichen. Ich überholte ihn mit
meiner Flinte und die Schrote ließen ihn in den Senf fallen...
"Das wir den bloß finden, daß wir den bloß finden. Der nasse Senf...die Hunde kriegen kaum Witterung",
sagte mein Nachbar. WO SIND DIE HUNDE ? Ich rief aus voller Brust CARLOTTA.
Innerlich fluchte ich...kaum brauchte man den Hund, ist er nicht da. Plötzlich saß wie ein Gespenst der Setter hinter mir,
pudelnaß, freudig wedelnd, das Gesicht verdeckt durch Fasanenschwingen.
Glücklich nahm ich ihr den geflügelten stolzen Gockel ab und hielt ihn hoch. Rufe meiner Nachbarn teilten meine Freude.

Kurz darauf hatten wir das Senfstück durchgearbeitet.
Trotzdem blieb der zuvor geflügelte Hahn vom Bruchgraben verschwunden, sehr zur Trauer des Jagdherren.
Sämtliche Hunde liefen auf dem Feldweg hin und her, die Jäger waren am schwatzen,
als plötzlich von rechts außen meine Setterhündin aus dem Senf gesprungen kam.
Im Fang trug sie den wild flatternden Fasan und galloppierte mir entgegen.
Wie halt bei so einer kleinen Gesellschaftsjagd geflaxt wird, sagte Jagdherr Dieter:
"Ich wußte doch, daß wir wenigstens einen Setter dabei haben müssen."

Andreas Lohmann
& ISH Lohmann's Carlotta