Winterfüchse

Jeder begeisterte Raubwildjäger kennt die Tücken auf erfahrene Altfüchse im Winter. Beim nächtlichen Ansitz muß man den
Fuchs im Feld schon weit erkennen, sonst ist jede Chance vertan.

Vollmondnacht im Februar bei hoher Schneelage. In der offenen Scheune am Hang steht seit kurzer Zeit eine Ansitzleiter mit
BW-Netz verblendet. Nach nur 30 Min. erscheint ein schwacher Fuchs flüchtig aus dem Dorf und zieht schnell über das freie Feld
bis zum Hang. Als er sich seines Balges sicher war, zog er wieder aus der Deckung und ich konnte auf ca. 120m auf den breit
stehenden Fuchs den Schuß antragen. Er sprang mit krummen Rücken senkrecht in die Luft und sauste in Deckung. Nanu ?
Ich war mir meines Schusses sicher und auch die Waffe schoß 'geradeaus'. Nach 15 minütigem Frustsitzen kontrollierte ich den
Anschuß und Fluchtrichtung: Nichts ! Vorbei, gefehlt. DA ! Ein kleines Schweißfädchen im Pulverschnee, noch nichtmal Streichholzlang.
Schnell Hund, Flinte und Lampe geholt und zurück zum Anschuß. Der Rüde Einstein verschwand am Hang, allerdings nicht wie
angenommen Richtung Fuchsbau, sondern stöberte in entgegengesetzte Richtung. Hund erscheint nach fünf Minuten mit Fuchs.
Kleiner Rüde 5,5 kg mit sauberem Blattschuß.

Die nächste Nacht kam ich die Kanzelleiter hoch und sah den Fuchs schon Nähe des Luderplatzes. Nach ca. drei Minuten konnte
ich den Schuß auf den breit stehenden Fuchs anbringen. Ohne zu zeichnen flüchtete er ca. 150m auf das freie, vom Vollmond
hell leuchtende Senffeld und ...setzte sich. Erneut beschossen rutschte er langsam Richtung Schwalgloch. Ich entschloß mich
Hund und Flinte zu holen. Einstein umkreiste den Pappelhain zweimal und verschwand Richtung Schwalgloch, wo er laut wurde.
Im Licht der Taschenlampe sah ich, wie der Hund sich mit Vorder- und Hinterläufen über dem Schwalgloch abstützte und den
1,5m unter ihm sich drückenden Fuchs verbellte. Mit Mühe konnte ich ihn überreden abzulassen um endlich den Fangschuß
antragen. Danach durfte er den 6kg schweren Fuchsrüden aus dem Schwalgloch ziehen.

In der dritten Nacht bezog ich erneut die Kanzel am Senffeld. Immer noch leuchtete die Jägersonne fast tageshell und wieder
waren reichlich Füchse unterwegs. Zwei Stück hatte ich diese Nacht bereits direkt am Luderplatz geschossen, davon einen mit
Schrot, der sich unter der Kanzel hindurch verabschieden wollte. Damit betrug unsere Fuchsstrecke für dieses Jahr nun 21 Stück.
Unsere Rebhühner und anderes Niederwild wird es danken. Immer wieder leuchtete ich mit dem Doppelglas die weite Ebene
vor mir ab. Alle Jubeljahre wechseln hier sogar Sauen aus dem Wald herüber. Heute nacht hielten einige Hasen ihre Hochzeitsreigen
ab. Zwei weitere Stunden vergingen wie im Fluge und ich mochte noch nicht einmal an meinen Proviantrucksack, weil jedes
noch so leise Geräusch mich an die Füchse verraten hätte. Plötzlich erschien für mich überraschend ein weiterer Fuchs am Luderplatz.
Anscheind war er im Schutz der Hecke gezogen. Ohne Interesse am Luder zog er wieder von mir fort. Er sicherte nochmals kurz
und ich konnte auf den breit stehenden Fuchs den Schuß anbringen. Oh je. Was war dies ? Der Fuchs drehte sich und lief
langsam in Schlangenlinien über den Senfschlag Richtung Wassergraben. Ein zweiter Schuß beendete seine Fährte und er
lag im Mondschatten. Nach einigen Minuten bildete ich mir ein, er läge nun woanders ? Konzentriert beäugte ich
den diffusen Fleck im Mondlicht. Ja ! Hubertus hilf'. Der Fuchs schleppte sich fort. Zwei weitere Schüsse brachten kein Resultat.
Auf einige hundert Meter legte sich der Fuchs erneut ins Wundbett und ich baumte in Windeseile ab und holte Hilfe.
Zusammen mit meinem Mann Andreas und Rüde Einstein umschlugen wir den Fuchs, damit er nicht in den Wald wechselte.
Circa 300 Meter vor uns kam er auf die Läufe und wir entschlossen uns den Hund zu schnallen. Dieser machte kurz einem Hasen
nach, kam dann auf die Wundfährte des Fuchses, verfolgte sie und verschwand außer Sicht. Die Kirchturmuhr schlug Mitternacht
und von der entfernten Ziegelei kam plötzlich Hundegebell. Sollte der DD uns gehört haben ? Unwahrscheinlich, über so weite
Entfernung. Gleichzeitig horchten wir auf, dem Hals nach war es doch Einstein !? Durch tiefen Schnee eilten wir zur Ziegelei,
wo inzwischen erste Lichter angingen. Am Schlafzimmerfenster stand Onkel Jupp, bereits alarmiert durch meine zahlreichen Schüsse
in der Nacht und rief uns zu, unser Hund hätte unter dem Silohaufen einen Fuchs hochgemacht, in die Garage getrieben und
würde dort einen Heidenlärm machen. Sein Sohn Klaus kam mit Schrotflinte bereits aus dem Haus und gemeinsam folgten wir
dem Laut. Hund und Fuchs tobten in der Garage zwischen Mercedes und Mülleimer und der kleinere Fuchs konnte sich zwischen
Wand und PKW drücken. Der wütende Hund wurde abgetragen und dem Fuchs konnte der Fangschuß angetragen werden;
allerdings nicht mit Flinte, da hätte der Wagen doch zu sehr gelitten.
Es handelte sich um einen abgeranzten Fuchsrüden von 6,7 kg mit einem hohen Keulen- und einem Laufschuß.
Die Nachsuche vollzog sich über 1,8 km !

Christiane Lohmann
& ISR Einstein